www.daswildedenken.ch
BRD
Der Geheimdienst der BRD wurde von Reinhard Gehlen, einem hochrangigen
ehemaligen Nazispion, aufgebaut. Gehlen war auch der Vater der
deutschen Stay-behind-Organisation.
* Bund deutscher Jugend
Der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) beherbergt(e) auch den
deutschen Gladio-Ableger, schlicht "Stay-behind-Organisation" genannt
(eine Vorläuferorganisation, der "Technische Dienst" im "Bund
Deutscher Jugend" , wurde bereits 1952 aufgelöst. Nach dem
Anfang
1991 von der Bundesregierung veröffentlichten Bericht seien
1956
bei der Umwandlung der "Organisation Gehlen " in den BND die "Elemente
der von alliierten Diensten auf deutschem Territorium bis 1955
aufgebauten Nachrichtenbeschaffungs- und Schleusungsorganisation" von
diesem übernommen worden. Laut Angaben eines ehemaligen
Mitarbeiters des NATO-Geheimdienstes sei Reinhard Gehlen auch der
"geistige Vater des ,stay behind' in Deutschland" gewesen. Kanzler
Konrad Adenauer und andere SpitzenpolitikerInnen wie der damalige
Staatssekretär Hans Globke, ein hochrangiger Ex-Nazi, seien
eingeweiht gewesen: "Adenauer unterzeichnete im Mai 1955 mit den USA
ein Geheimprotokoll zum NATO-Beitritt Deutschlands, in dem vereinbart
wurde, daß die deutschen Behörden von einer aktiven
juristischen Verfolgung bekannter Rechtsextremisten absehen werden."
Die Bundesregierung bestritt demgegenüber vehement,
daß die
"Stay-behind-Organisation" der NATO angehört habe.
Der amerikanische Historiker Christopher Simpson rekonstruierte aus
freigegebenen Unterlagen der US-Army die Rekrutierung Gehlens und
seiner Leute. Demnach starteten die USA "ein kleines, überaus
geheimes Programm, durch das in einem amerikanischen Lager für
hochrangige Kriegsverbrecher der Achsenmächte in der
Nähe von
Wiesbaden deutsche Spezialisten für Spionage- und
Geheimoperationen angeworben wurden. Hier erteilte der Chef des
Geheimdienstes der Army in Europa, General Edwin Sibert, dem hageren
ehemaligen Wehrmachtsgeneral Gehlen den Auftrag, eine neue, aus
deutschen Fachleuten für die UdSSR bestehende
Spionageorganisation
aufzubauen." Die wertvollsten Mitarbeiter Gehlens und des
US-Geheimdienstes CIC waren ehemalige Angehörige des Amtes VI
des
Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) gewesen, einer Spionageabteilung,
die maßgeblich an der Massenvernichtung der Juden und
Jüdinnen beteiligt gewesen war.
Laut dem Bericht der Bundesregierung seien Ende der fünfziger
Jahre etwa 75 hauptamtliche Mitarbeiter in der BND-Zentrale in
Pulllach, einem ehemaligen Ausbildungszentrum der Waffen-SS, mit der
sogenannten "Steuerungsorganisation" beschäftigt gewesen. Dazu
kamen 50 militärische, 125 allgemeine und 25
"Schleusungsquellen".
Die Gesamtzahl der "nachrichtendienstlichen Verbindungen" wird mit bis
zu 500 angegeben. Dies alles sei im Laufe der Zeit beständig
reduziert worden, die Zahl der nachrichtendienstlichen Verbindungen
beispielsweise bis Anfang der neunziger Jahre auf 104.
Die Organisation sollte schließlich bis April 1991
aufgelöst
werden. Die für Sabotagehandlungen zuständige
"Komponente"
sei bereits acht Jahre zuvor eingestellt worden. Von den in der
Frühphase der Organisation angelegten Depots, die sowieso nur
Ersatzteile für Funkgeräte, Medikamente, Gold,
Schmuck und
"vereinzelt Pistolen" enthalten hätten, seien die letzten 1972
aufgelöst worden (siehe dazu "Gladio oder die Rache Moros" ).
Seit
Ende der siebziger Jahre hätte sich auch die
Unterstützung
der Stay behinds durch die Bundeswehr auf das
Zurverfügungstellen
von Ausbildungseinrichtungen beschränkt. Anderen Quellen
zufolge
sind allerdings die "Fernspäh-Kompanien" des Heeres direkt in
die
Struktur integriert gewesen.
Bis zuletzt waren auch die Sabotageeinheiten der britischen und
amerikanischen Besatzer in der BRD stationiert. Die "special forces"
der US-Army, die aus dem Vietnamkrieg berüchtigten Green
Berets,
waren im bayrischen Bad Tölz stationiert. Diese
Sondereinheiten
gingen aus einem Programm der US-Army von 1950 – dem
sogenannten
"Lodge-Act" – hervor, welcher 12.500 Ausländern den
Eintritt
in die Amee ermöglichte. Unter diesen befanden sich ehemalige
Nazikollaborateure, vorwiegend aus Osteuropa, Veteranen der Waffen-SS
und Gesatpoagenten, die ansonsten aufgrund der amerikanischen
Einwanderungsgesetze von der US-Staatsbürgerschaft
ausgeschlossen
geblieben wären. 1966 hielten die Grünmützen
auch
für österreichische Soldaten einen Ausbildungskurs am
Allentsteiger Truppenübungsplatz ab.
Markus Kemmerling
Quellen:
Christopher Simpson: Der amerikanische Bumerang –
NS-Kriegsverbrecher im Sold der USA. Ueberreuter, Wien 1988;
Hans Wolker: Schatten über Österreich – Das
Bundesheer und seinen geheimen Dienst. Promedia, Wien 1993, S. 67ff;
Bericht der Bundesregierung über die Stay-behind-Organisation
des Bundesnachrichtendienstes, Frühjahr 1991;
Spiegel 47/1190;
Searchlight 1/91.
Bund deutscher Jugend
Im Zusammenhang mit Gladio bekannt geworden ist der 1950 in der BRD
gegründete "Bund deutscher Jugend" (BDJ). Der BDJ setzte sich
allerdings weniger aus Jugendlichen als aus ehemaligen
Wehrmachtsoffizieren und alten Nazis zusammen und stand wie die
entsprechenden österreichischen Organisationen in der
Tradition
der nationalsozialistischen Werwölfe. Finanziert wurden der
Bund
und seine Zeitschriften von der CIA , vom Innenministerium, dem
Gesamtdeutschen Ministerium sowie vermutlich von namhaften
Industrieunternehmen wie Coca-Cola, dem Autoelektronikhersteller Bosch,
der Schuhfabrik Salamander und dem Zigarettenmogul Reemtsma. In einem
Bericht des hessischen Innenministers hieß es damals: "Aus
den
Beweisurkunden (...) kann wohl mit Sicherheit behauptet werden,
daß kein anderer Jugendverband in der Bundesrepublik
über so
ausgezeichnete Beziehungen zu höchsten Staatsdienststellen,
Wirtschaftsverbänden und früheren Militärs
verfügte
wie der BDJ."
Zum BDJ gehörte ein konspirativ arbeitender "Technischer
Dienst"
(TD), der im Oktober 1952 durch eigenmächtige Ermittlungen des
regionalen hessischen Verfassungsschutzes als "stay
behind"-Organisation enttarnt und aufgelöst wurde. Die
eingeleiteten Strafverfahren wurden allesamt vom Bundesgerichtshof
eingestellt, da der BDJ für die "freiheitlich demokratische
Grundordnung" gekämpft hätte.
Laut dem damaligen hessischen Ministerpräsidenten
gehörten
dem TD zwischen ein- und zweitausend Personen an. Zu den bekanntesten
Führern gehörte Dieter von Glahn, ein ehemaliger
Abwehroffizier der deutschen Wehrmacht, der heute noch als Vorsitzender
der "Konservativen Sammlung" und Mitglied der "Internationalen
Gesellschaft für Menschenrechte" einschlägig aktiv
ist. In
einem Interview beschrieb von Glahn den Technischen Dienst 1990 so:
"Unser Auftrag und unsere Organisation waren deckungsgleich mit dem,
was man heute über Gladio weiß."
Der TD führte unter anderem sogenannte "Proskriptionslisten",
auf
denen sich KommunistInnen und prominente SozaldemokratInnen wie Herbert
Wehner fanden. Diese sollten "am Tag X dem bolschewistischen Zugriff
entzogen" und notfalls ermordet werden. Die Listen seien, so von Glahn,
vom niedersächsischen Verfassungsschutz vollständig
übernommen worden.
Im Odenwald bildete der BDJ etwa 130 seiner Mitglieder
militärisch
aus. Gleichzeitig wurden auch geheime Waffenlager angelegt. Die "Welt
am Sonntag" berichtete damals, daß im Juli 1952 amerikanische
Armeelastwagen in verschwiegene Wälder der Bundesrepublik
gefahren
seien, um wasserdichte Kisten mit Waffen, Munition und Sprengstoff zu
vergraben. Fingerzeige, die damals den zuständigen deutschen
Instanzen gegeben wurden, seien nicht beachtet worden.
Für die militärische Leitung einer geheimen "Aktion
Außenbezirke" hatte der BDJ einen ehemalige General der
Waffen-SS, Felix-Martin Steiner, vorgesehen. Steiner war auch
Mitgründer der "Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der
ehemaligen Soldaten der Waffen-SS" (HIAG), die in ihrer Zielrichtung
und Bedeutung mit der österreichischen "Kameradschaft IV"
vergleichbar ist.
Quellen:
Leo A. Müller: Gladio – das Erbe des Kalten Krieges;
rororo 1991;
antifa-info Nr. 14, Frühjahr '91;
Der Rechte;
Rand, Januar/Februar 1991 und März 1994;
Welt am Sonntag, 18.10.1995, zitiert nach: Neues Deutschland, 12.2.1996.